Mittwoch, 5. Februar 2020

Wasser statt Wasserstoff im Tank?

scinexx.de

Wasser statt Wasserstoff im Tank?
Stefan Reich


Billiger Treibstoff für Brennstoffzellen: Forscher haben eine neue Methode entdeckt, um Wasserstoff auf simple Weise aus einer Reaktion von Wasser mit Aluminium zu gewinnen. Das neue Verfahren ist schneller und effektiver als die bisherige Wasserstofferzeugung. Vor allem aber könnte es die Wasserstoffproduktion mobil machen und direkt in die Brennstoffzelle integrieren. Dadurch könnten beispielsweise Brennstoffzellenautos künftig einfach Wasser tanken statt des Wasserstoffs.
Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Als Treibstoff für Brennstoffzellen soll er auf klimafreundliche Weise elektrische Energie liefern. Diese Technik ist nicht nur für Fahrzeuge interessant: Es gibt bereits Prototypen für kleine Flugzeuge und beheizte Haushalte. Doch Wasserstoff zu speichern ist wegen seiner geringen Dichte aufwendig, die Herstellung ist langsam und ineffektiv und das Elektrodenmaterial teuer. Mit neuen Elektroden kann das Gas zwar schon mit einer einfachen 1,5 Volt-Batterie erzeugt werden, doch die Laufzeit der Elektrode ist begrenzt.

Ausgangsstoff Wasser

Forscher um Schuo Xu von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften haben nun eine Methode entwickelt, durch die Brennstoffzellen-Fahrzeuge in Zukunft einfach Wasser statt Wasserstoff tanken könnten. Möglich wird dies durch eine direkt der Brennstoffzelle vorgeschaltete Wasserspaltung mithilfe aktiver Metalle. Dabei reagieren bestimmte Metalllegierungen mit Wasser und Aluminium zu Wasserstoff. Bisher allerdings kam diese Reaktion schnell wieder zum Erliegen, weil sich eine Oxidschicht auf den Aluminium bildete.
Xu und sein Team haben nun neue Legierung entdeckt, die dieses Problem löst. Basis des neuen Verfahren ist eine Legierung aus den Metallen Gallium, Indium, Zinn und Wismut. Wenn die Metall-Legierung auf eine in Salzwasser getauchte Aluminium-Platte trifft , entstehen Aluminiumhydroxid und Wasserstoff. Dieser Wasserstoff kann dann in einer Brennstoffzelle mit Protonenaustausch-Membran direkt in elektrische Energie umgewandelt werden.
Aus Wasser und Aluminium entsteht der Wasserstoff für die Brennstoffzelle.© Jing Liu / Chinese Academy of Sciences

Freitag, 31. Januar 2020

Die sieben Schwächen des deutschen Kohleausstiegs


Wirtschaft CO2-Ausstoß
Die sieben Schwächen des deutschen Kohleausstiegs (WELT)
Von Daniel Wetzel Wirtschaftsredakteur
Das Kabinett Merkel legt sich fest: Deutschland steigt als erstes und einziges Land aus Atomenergie und Kohleverstromung aus. Die Folgen für das Klima sind überschaubar. Dafür sind die Risiken und Kosten enorm – auch bei der Versorgungssicherheit. 
Das Kohleausstiegsgesetz, das das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen hat, verdient zu Recht das Attribut „historisch“. Dass ein Staat in weniger als 20 Jahren fast die Hälfte seiner Stromerzeugung aus freien Stücken abschalten will, hat es so auf der Welt noch nicht gegeben.
Atom- und Kohlekraftwerke standen 2018 noch für 47 Prozent der deutschen Bruttostromerzeugung. Das alles soll jetzt weg – und vieles davon recht bald.
Deutschland ist zwar nur für zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich – und für null Prozent des globalen CO2-Wachstums der vergangenen Dekade. Dennoch soll mithilfe des Kohleausstiegs der gesamte deutsche CO2-Ausstoß um ein Viertel gesenkt werden.
Anders als in vielen anderen Ländern soll dies ohne Hilfe der fast CO2-freien Kernenergie gelingen, die ebenfalls abgeschaltet wird.
Ob das Vorhaben visionär, mutig, vorbildlich, riskant, tollkühn, wahnsinnig oder schlicht notwendig ist, liegt im Auge des Betrachters: Bei der Bewertung der Energiewende gehen die Meinungen auseinander.
Die Bundesregierung ist der Überzeugung, einen guten Kompromiss zwischen den Erfordernissen des Klimaschutzes, der Wirtschaftlichkeit und der Versorgungssicherheit gefunden zu haben. Dennoch sind die Schwächen und Risiken des Kohleausstiegsplans erheblich.

1. Kein zusätzlicher Klimanutzen

Die schärfste Kritik am deutschen Kohleausstieg ist grundsätzlicher Natur: Der deutsche Markteingriff ist aus klimapolitischer Sicht völlig unnötig. Der Europäische Emissionshandel verteuert die Verstromung fossiler Energieträger ohnehin. Die Menge der CO2-Berechtigungen sinkt Jahr für Jahr.

Donnerstag, 30. Januar 2020

Was wäre, wenn wir die Gefahren der Kernenergie übersschätzen?

Atomkraft hat keinen sonderlich guten Ruf. Doch im Vergleich zu anderen Arten der Energieerzeugung scheint sie gar nicht mal so gefährlich.
von Vince Ebert
Kaum eine Nation der Welt fürchtet sich so vor Kernenergie wie wir Deutschen. Als es 2011 zu dem Reaktorunfall in Fukushima kam, wurden in den Apotheken von Flensburg bis Oberammergau die Jodtabletten knapp. Sogar Geigerzähler fanden in den Baumärkten der Nation reißenden Absatz. Die Bundesregierung reagierte umgehend und beschloss wenige Wochen später, aus der Kernenergie auszusteigen.
Doch wie gefährlich ist Kernenergie wirklich? Oder genauer gesagt: Wie gefährlich ist sie im Vergleich zu anderen Arten der Energieerzeugung?
Ein guter Richtwert dafür bildet der Energy’s Deathprint. Darunter versteht man die Zahl der Todesopfer, die eine bestimmte Energieart pro erzeugte Petawattstunde (physikalische Einheit für sehr große Energiemengen) kostet. Im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden der Energy’s Deathprint von der Weltgesundheitsorganisation, dem Center for Disease Control, der National Academy of Science und diversen anderen Instituten berechnet und abgeschätzt. Die Ergebnisse weisen alle in dieselbe Richtung: Die eindeutig tödlichste Form der Energieerzeugung ist Kohlestrom. Auf jede erzeugte Petawattstunde (PWh) Kohlestrom kommen den Berechnungen zufolge 100 000 Todesopfer. Die Zahlen errechnen sich aus der Kombination von direkten Todesfällen durch Stollenunglücke und Staublungen sowie weiteren epidemiologischen Schätzungen. In China liegt die Zahl aufgrund von laxen Umwelt- und Arbeitsschutzmaßnahmen sogar bei 170 000 Opfern.
Am zweitgefährlichsten gilt die Stromerzeugung durch Erdöl (zirka 36 000 Tote/Petawattstunde), gefolgt von Erdgas (4000 Tote/PWh). Selbst die Energieerzeugung mittels Wasserkraft ist mit 1400 Toten pro PWh (meist aufgrund von Dammbrüchen) noch vergleichsweise gefährlich. Dann kommt Solarenergie (440 Tote) und Windkraft (150 Tote). Wo in dieser Auflistung findet sich nun die Kernenergie? Sie liegt mit 90 Toten pro PWh am untersten Ende der Gefährlichkeitsskala. Dabei sind Tschernobyl, Three Mile Island, Fukushima sowie der Uranbergbau bereits eingerechnet.

Dienstag, 28. Januar 2020

Menschengemachter Klimawandel: Wie einig ist sich die Wissenschaft wirklicht?

Menschengemachter Klimawandel: Wie einig ist sich die Wissenschaft wirklich?
Wenn man den Medien, der Politik und nun auch Fridays for Future glaubt, dann sind sich 97% der Klimaforscher einig, dass der Klimawandel vom Menschen gemacht ist. Aber stimmt das wirklich? Eine Überprüfung dieser Behauptung ergibt ein ganz anderes Bild.

Eine Gruppe um den Kognitionswissenschaftler John Cook (Kognitionswissenschaft: eine interdisziplinäre Form zur Erforschung (und Beeinflussung?) menschlichen Denkens, vergleichbar mit dem "Nudging", Synonym für anregen, lenken, formen oder medial-politisches Schubsen von Bürgern in die richtige Richtung), kam 2013 zu der Überzeugung, dass zwar die Geschichte des Klimawandels Jahrzehnte alt sei und sich seit den 90er Jahren wie ein roter Faden durch die Klimadiskussion hinziehe, dass aber Kohle-, Öl- und Gasverbände, konservative Think-Tanks und Politstrategen ihn über ein Jahrzehnt in Zweifel zogen, bevor Sozialwissenschaftler (!!!) sich des Themas widmeten. Seit den 90er Jahren würde vor allem diskutiert, ob in der Forschung Einigkeit darüber herrsche, dass die Erderwärmung menschengemacht sei. So im „Handbuch zum Klimakonsens“  nachzulesen..
Cook präsentierte 2013 das Ergebnis einer Metastudie, aus der die Zahl der 97 prozentigen Einigkeit hervorgehen sollte und seitdem als unbestreitbare Wahrheit präsentiert wird. In dieser Metastudie hat John Cook knapp 12.000 Forschungsarbeiten zu den Themen Klima und Umwelt darauf untersucht, ob sie dem Menschen die Schuld am Klimawandel geben, oder nicht. Sein Fazit: Aus 97 Prozent der Arbeiten und Studien ergebe sich, dass der Mensch Schuld sei.
Markus Fiedler hat sich die Metastudie, deren Daten und Ergebnisse alle öffentlich zugänglich sind, angeschaut und sie überprüft. Er kommt zu der Überzeugung, dass Cook mathematische Tricks angewandt und manipuliert habe.
Es entsteht damit der Verdacht, dass Cook mit der Studie ein bestimmtes Ergebnis erreichen wollte und sich die Ergebnisse so hingebogen hat, dass sie „passen“. Das bestätigt Cook auch selbst, wenn er über seine Studie schreibt: „Eine genaue Einschätzung des Grades an wissenschaftlichem Konsens ist ein wesentliches Element für die öffentliche Unterstützung der Klimapolitik".
Das Fazit müsse laut Fiedler lauten:
„In 99,46 % aller wissenschaftlichen Arbeiten ist eine Zustimmung zur These des überwiegenden Anteils des Menschen am Klimawandel nicht erkennbar. Viele halten den Anteil des Menschen für geringer oder machen keine klare Aussage dazu. Die überwiegende Mehrheit von mehr als 66% macht keine Aussage zu dieser Fragestellung. Ein geringer Teil lehnt gar einen überwiegenden oder wenigstens maßgeblichen menschlichen Anteil am Klimawandel eindeutig ab“.
Fiedler kommt zu seiner Einschätzung, weil Cook von 11.944 Studien 7.970 (66,73 %) rausgerechnet hat, die sich nicht zum menschlichen Einfluss auf die Erderwärmung geäußert haben. Bleiben 3.974 Arbeiten, wovon 2.910 Arbeiten den menschlichen Einfluss wenigstens ein bisschen, 922 den Menschen zwar mit verantwortlich machen, ohne sich auf den Umfang festzulegen und in 64 Arbeiten die Menschen zu mehr als 50 % für den Klimawandel verantwortlich sein sollen. Macht zusammen 3.896 von 3.974 Arbeiten (> 97 %), die irgendwie den menschlichen Einfluss am Klimawandel sehen. 78 Arbeiten sehen den Zusammenhang nicht.
Tatsächlich beinhalten also nur 64 von 11.944 Arbeiten (0,54 %), die sich mit dem Klima befassten, dass der Mensch zu mehr als 50 % für den Klimawandel verantwortlich ist.
Wie Fiedler zu diesem Ergebnis kommt, können Sie hier nachlesen.
>>>Menschengemachter Klimawandel: Wie einig ist sich die Wissenschaft wirklich?

Freitag, 24. Januar 2020

Scheitert die Energiewende am elektrischen Strom?


Scheitert die Energiewende am elektrischen Strom? Mit einer Erklärung von Jean Pütz


Hier nun die wichtigsten Punkte die für jedermann verständlich sind:
1. Elektrischer Strom ist keine Ware die einfach wie Pakete hin und her geschoben werden kann.
2. Das Stromnetz, dazu gehören auch die großen Verteilernetze über Hochspannung, muss stets genauso viel Energie anbieten wie nachgefragt wird. Und zwar in jeder 1000stel Sekunde.
Übersteigt die Nachfrage auch nur um wenige Kilowatt, dann schaltet es sich automatisch ab. Dazu gibt es zwar Sicherungssysteme aber das kann schon dazu führen das ganze Städte ausfallen.
3. Wird allerdings zuviel, z.B. durch regenerative Quellen und dezentrale Einspeisungen produziert, dann muss dieser Strom entweder in Wärme umgewandelt oder exportiert werden.
Das ist aber meistens mit hohen Kosten verbunden, denn der Abnehmer muss damit etwas anfangen können. Er kann es allerdings auch speichern aber dafür benötigt er Pumpspeicherwerke. Das fällt in Alpenstaaten also auch in Bayern relativ leicht.
Deswegen geht der Export des Stroms und zwar nur dann wenn er in Deutschland nicht abgefragt wird meistens auch nach Österreich oder in die Schweiz.
Dafür muss der Energieversorger aber richtig Geld zahlen um damit was anfangen zu können. Er kann es allerdings auch speichern aber dafür benötigt er Pump-Speicher Werke. Das fällt in Alpenstaaten und so auch in Bayern relativ leicht. Deswegen geht der Export-Strom und zwar nur dann wenn er in Deutschland nicht abgefragt wird meistens auch nach Österreich oder in die Schweiz. Dafür muss der Energieversorger aber richtig Geld zahlen. Umgekehrt wenn der diesen Strom wieder haben will, muss ja wieder bezahlen.
Das ist also ein toller Tausch, der im Prinzip aus physikalischen Gründen einfach unfair sein muss. Allerdings wenn mehr Strom nachgefordert wird als die Kraftwerke, als die regenerativen in Deutschland liefern, dann kann es auch sein, dass er den Strom z.B. aus Frankreich oder Polen bezieht. Dahinter allerdings stehen dann Kernkraftwerke aus Frankreich oder Braunkohlekraftwerke aus Polen. Ob das der Ökologie dient ist natürlich fraglich.
4. Es gibt noch ein weiteres Problem und das ist die Stabilität des Netzes und zwar die Frequenz. Dabei hat sich der Wechselstrom bzw. Drehstrom durchgesetzt. Eine Erfindung von Nikola Tesla, der arme Kerl musste in der Namensgebung für das erste Elektroauto herhalten. Wechselstrom bedeutet, dass er permanent die Richtung, das heißt vom Plus auf minus und umgekehrt, wechselt.
Dabei haben sich auch in Deutschland 50 Schwingungen pro Sekunde durchgesetzt, man spricht dann von 50 Hertz. Das hat natürlich auch seine Konsequenz, denn wenn auch nur eine leichte Abweichung von den 50 Hertz erfolgt, dann kann es zum Kurzschluss und zum Gau folgen. Deswegen ist die Stabilität außerordentlich wichtig, sie wurde bisher durch Großkraftwerke gewährleistet.
Es gibt Ingenieure die behaupten es müssten wenigstens 30% der benötigten Energie aus solchen Großkraftwerken stammen, sonst wird das Netz instabil. Nur so ganz stimmt es nicht mehr. Dezentrale regenerative Einspeisungen, mit der künstlichen Intelligenz versehen, können trotzdem eine gewisse Netzstabilität garantieren. Aber die Probe aufs Exempel ist noch nicht geführt worden, und die Behauptung dass in den nächsten 20 Jahren der Strom ausschließlich von regenerativen Quellen gespeist werden kann ist nach Prof. Kobe auch theoretisch und wirtschaftlich nicht möglich.
5. Große Mengen im Bereich von 1000 Terrawattstunden sind nur durch Pumpspeicherwerke möglich. Elektrische chemische Speicherung wie in Batterien sind in dieser Größenordnung völlig unwirtschaftlich.
6. Regenerative Stromeinspeisung ist nicht vergleichbar mit den bisherigen, mit fossilen Brennstoffen versehenen Großkraftwerken. Sie sind sehr von der Wetter- und Klimasituation abhängig.
Ihr Jean Pütz

Die Physik des Stromnetzes lässt sich politisch nicht regulieren

Rolf Schuster: „Die Physik des Stromnetzes lässt sich politisch nicht regulieren“

Umland: An drei Tagen im Juni stand das deutsche Stromnetz vor dem Zusammenbruch wegen zu geringer Einspeisung. Die modernen Industrienachbarstaaten haben uns nochmal ausgeholfen, Gott sei Dank. An vier anderen Tagen in diesem Monat musste Deutschland unverkäuflichen Stromüberschuss exportieren, mit „negativen“ Preisen. Ende 2022 geht das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz… Und dann? EIFELON sprach mit dem Mann, dessen Grafiken zur Energiewende eines zeigen: Deutschland knallt mit voller Energie gegen die Wand.
Zurück zum vergangenen Juni: Jetzt müsse man erst einmal analysieren, ob die „Bilanzkreise“ ausgeglichen waren, sagen die Netzbetreiber über das allgemein verniedlichend „Stromchaos“ genannte Fast-Desaster. Und das, wir können es uns denken, kann dauern. Acht Wochen sind angesetzt. EIFELON wollte nicht so lange warten und auch nicht auf die Antwort der Grünen-Politikern Ingrid Nestle vertrauen:
„Auf keinen Fall darf der Eindruck entstehen, dass die Erneuerbaren Energien Schuld an den Verzerrungen sind. Hier handelt es sich eindeutig um mangelhafte Regulierung und politische Fehlsteuerung.“
Denn wir von EIFELON, der aufmerksame Leser weiß es, sind der Energiewende gegenüber pessimistisch eingestellt. Das liegt nicht an unserem Glauben, sondern daran, dass wir seit vielen Jahren die Grafiken von Rolf Schuster als Hintergrundrecherche mit verwenden. Die Daten rund um die Energiewende sammelt der 63-Jährige in seiner Freizeit aus für jedermann zugänglichen Quellen wie dem europäischen Verbundnetz, der Leipziger Strombörse, dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Umweltbundesamt. Die Daten übernimmt er eins zu eins. Beruflich entwickelt der gelernte Elektrotechniker in Hessen Maschinen für die Autoindustrie und unterzieht sie einer sicherheitstechnischen Risikoanalyse, d.h., er überprüft und dokumentiert, dass diese Anlagen kein Risiko für das Personal und Umfeld darstellen.
Vor neun Jahren hat er mit dem Datensammeln angefangen. Auslöser war der Bau von Windrädern im Westerwald. Schuster stellte Ortspolitikern kritische Fragen und wurde als Unwissender über die Energiewende abgewatscht. Seitdem bereitet er Energiedaten grafisch auf und sendet sie an alle, die nackte Fakten zur deutschen Energiewende interessieren: Professoren der Physik, Wirtschaftsbosse, darunter der ehemalige Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn, einige wenige deutsche Politiker und Journalisten und natürlich das nahe und ferne Ausland, das „Tränen über Deutschland vergießt vor lauter Lachen“.
Schuster erfasst in seinen Grafiken alles, was es an statistischen Daten zu Klima und Energiewende deutschland- und weltweit gibt: Die Temperaturentwicklung, die CO2-Entwicklung, die Stromerzeugung durch Atom, Kohle, Erdgas und den Erneuerbaren, die jeweiligen Kosten, die Nennleistung im Vergleich zur tatsächlich erbrachten Leistung, die Stromerzeugung im Vergleich zum wirklichen Bedarf in Deutschland, aber auch in anderen Ländern wie Frankreich, den USA oder Australien.

Deutsche Energiewende wird wie Seifenblase platzen

Physik-Professor Sigismund Kobe: „Deutsche Energiewende wird wie Seifenblase platzen“

Umland: China plant, seinen enorm steigenden Bedarf an Elektroenergie auch durch einen weiteren massiven Zubau von Kohlekraftwerken zu decken. 2020 soll deren Leistung 1.100 GW betragen, 2035 sogar 1.400 GW. Zum Vergleich: Die Kohlekraftwerke der EU verfügen über eine Leistung von 150 GW (1 GW = 1 Gigawatt sind 1 Million Kilowatt). Der deutsche Anteil beträgt derzeit noch 44 GW. Doch Deutschland möchte als erstes Land komplett aus der Kohle aussteigen und begründet dies mit dem Anspruch, als Vorreiter der Welt zeigen zu müssen, dass ein solcher Ausstieg technisch und ökonomisch realisierbar sei. Darüber hinaus sollen auch die Kernkraftwerke in Deutschland stillgelegt werden, die Strom nahezu CO2-emissionsfrei erzeugen können. Das Ziel ist es, Strom zu hundert Prozent aus regenerativen Energiequellen bereitzustellen. Professor Sigismund Kobe erklärt im Gespräch, dass dies in Deutschland aus physikalischen Gründen nicht möglich ist, solange es noch keine Speicher mit gigantisch großen Speicherkapazitäten gibt. Grundvoraussetzung für ein hochindustrialisiertes Land ist eine sichere stabile Stromversorgung, die auf Abruf jederzeit die Energie liefern kann, die gerade benötigt wird. Dr. Sigismund Kobe, Jahrgang 1940, ist emeritierter Physik-Professor an der Technischen Universität Dresden. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Optimierung komplexer Systeme (magnetische Festkörper, neuronale Netze, Proteine, Windenergie).
„Einer der Fehler, den die meisten Befürworter der Energiewende machen, ist es, alle erneuerbaren Energiequellen in einen Topf zu werfen, anstatt sie differenziert zu betrachten“, sagt Kobe. Aber erneuerbar sei nicht gleich erneuerbar. Mit Wasserkraft- und Biogasanlagen lasse sich Strom weitgehend nach den Bedürfnissen der Verbraucher bereitstellen, Windkraft- und Solaranlagen dagegen seien aus physikalischen Gründen dazu nicht in der Lage. Ein weiterer Zubau von Wasserkraftwerken ist geologisch und meteorologisch begrenzt: Deutschland hat anders als z.B. Norwegen und die Schweiz aufgrund seiner Topologie nicht genügend Regionen mit den erforderlichen Höhenunterschieden. Zudem reicht die jährliche Regenmenge für diesen Zweck nicht aus. Auch die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen in Deutschland seien bereits hinreichend aufgeteilt in solche für die Lebensmittel- und Futtermittelproduktion und solche für bioenergetische Nutzung. „Diese beiden erneuerbaren Energiequellen haben in Deutschland kein größeres Ausbaupotenzial mehr“, lautet das Fazit von Professor Kobe.
Windräder liefern zu einem Drittel der Zeit kaum bis keinen Strom
Für einen gedachten weiteren Zubau erneuerbarer Energiequellen in Deutschland verbleiben also nur Wind und Sonne. Diese haben allerdings die unangenehme Eigenschaft, dass der damit erzeugte Strom volatil sei, d.h. zeitlich schwanke, so Kobe weiter. Mal weht der Wind und dann drehen sich die Räder, mal weht er nicht und dann drehen sie sich nicht. Der letztgenannte Zustand ist sogar häufiger als allgemein bekannt. Statistisch gesehen ist der Beitrag aller Windenergieanlagen an der Stromerzeugung in Deutschland an einem Drittel der 8.760 Stunden eines Jahres gering bzw. sogar vernachlässigbar. Bei den Solaranlagen sieht es nicht besser aus. Der weitaus überwiegende Teil des jährlichen Anteils von Strom aus Photovoltaik-Anlagen an der Stromproduktion wird im Sommer und dann wiederum vor allem in wenigen Stunden um die Mittagszeit eingespeist, vorher und nachher ist der Anteil gering und nachts scheint die Sonne nie.
Seit jeher ist das Netz auf das Auftreten von Schwankungen ausgelegt, muss doch die Anpassung an den unregelmäßigen Bedarf durch die Verbraucher sichergestellt werden. Nun waren in der Vergangenheit bei geringem Anteil von Wind- und Sonnenstrom die dadurch bedingten zusätzlichen Schwankungen auch kein besonderes Problem. Professor Kobe:
Quantitativ sind wir allerdings an eine Grenze gelangt, an der das Netz diese zusätzlichen Erzeugungsschwankungen nicht mehr verkraften kann.“